Die Koordination der Bewegungen

Eine der vielen Bereicherungen, die die Kampfkunst für einen bereithält, liegt für mich in der Entwicklung des Bewusstseins für Bewegungen und ihre Koordination.

Als ich vor gut zwei Jahren mit dem Training in der Kampfkunstakademie begonnen habe, ist mir das Erlernen der Bewegungsformen zunächst sehr schwergefallen. Meine Bewegungen waren steif und hölzern, ich hatte Mühe, mir auch nur einzelne Bewegungssequenzen zu merken, stand oft zuhause da und dachte: „Wie ging das jetzt noch mal?“ und: „Das lerne ich nie!“. Eine Art Grundmuster gab es für mich noch nicht, viele Bewegungsabläufe wirkten auf mich eher wie zufällig zusammengestellt.

Bei unserem Shifu durfte ich dann eine Menge über die zugrundeliegenden Gesetzmäßigkeiten lernen, z.B. dass man die Struktur des Körpers beachten muss, die uns bestimmte natürliche Bewegungsformen vorgibt, und den Grundgedanken der energetischen Qualität.

Unter der stetigen unterstützenden Begleitung und Anleitung durch den Shifu entwickelt man mit der Zeit eine Vorstellung davon, „was geschehen soll, wann es geschehen soll und wie es geschehen soll“ (wie es im ersten Arbeitsheft heißt). Man übt, dies dann auch entsprechend umzusetzen, oder, anders gesagt: Man lernt seine Bewegungen zu koordinieren.

Dass es neben der äußeren Bewegung auch eine innere Bewegung gibt, war mir früher gar nicht klar. Auch die innere Bewegung will koordiniert werden. Wann man welchen Muskel anspannt und wann man ihn entspannt, hat großen Einfluss auf die Auswirkungen einer Bewegung und den Bewegungsfluss insgesamt. Die äußere Bewegung und die innere Bewegung sollten ein harmonisches Miteinander bilden, also auch sie müssen aufeinander abgestimmt werden. Und dann geht es auch noch darum, die Bewegungen insgesamt immer weiter zu verfeinern…

Wenn man bereit ist, sich von diesen Dingen berühren zu lassen und regelmäßig übt, kann man mit der Zeit feststellen, dass man sich auch im Alltag bewusster bewegt und dass sich die eigene Körperhaltung verbessert, was sich wiederum positiv auf das Lebensgefühl und sicherlich auch auf die Gesundheit auswirkt.

Und der Shifu hat recht: JEDER von uns kann das lernen, die natürlichen Bewegungsmuster sind in uns allen angelegt!

Tudi Astrid