mein Gespräch mit Shifu

Ich, Raphael Sommer, habe mich seit meinem beruflichen Ruhestand intensiv als Kampfkunstschüler auf die Arbeit mit Shifu Edson Vlijt eingelassen.

In einem vor wenigen Tagen geführten persönlichen Gespräch erklärte Shifu Edson Vlijt unter anderem auf meine Frage, was Kampfkunst für ihn bedeutet: Kampfkunst bedeutet die Auseinandersetzung mit mir selbst, mit meinen Emotionen, meinen Gedanken; zusammengefasst: mit meinem Leben mit allen seinen Widersprüchlichkeiten und seinen Herausforderungen. Ich bleibe stets dem Prinzip der Kampfkunst treu, um die Harmonie in mir selbst zu suchen, zu finden und die Strukturen aufzubauen, zu benutzen und mich immer wieder neu auszurichten. Dadurch finde ich meine Ruhe und den Frieden in mir, um mein Leben zu gestalten. 

Was bedeutet nun Kunst im Speziellen? Es ist für mich die innere Gestaltung, welche sich dann nach außen in meinen harmonischen, farbigen, bildhaften und gelösten Bewegungen sichtbar macht. Es sind meine erlangten Fertigkeiten. Das ist Kunst.

Ich interpretiere Kampfkunst als universelle Bewegungsmethode, da die gleichen Bewegungen 

  • in der Kunst des Körpertrainings
  • in der Kunst des Heilens
  • in der Kunst des Kampfes
  • in der Kunst der Selbstführung

eingesetzt werden können. Voraussetzung dafür ist aber stets, dass der Energiefluss im Körper gewährleistet ist. Darum nenne ich meine Kunst „Körperorientierte Energiearbeit“. Diese Kunst, diese Methode ist universell zu verstehen. Sie greift in mein ganzes Dasein ein. 

Auf meine Frage, ob Du, Shifu, Dich nun aufgrund deines erreichten Rentenalters, deiner erlangten Fähigkeiten und Erfolge im Leben „zur Ruhe setzen“ und dich „zurücklehnen“ könntest, antwortete er: Nein, niemals! Es ist egal, welchen Grad der Fertigkeiten man erlangt hat, es ist eine lebenslange Aufgabe. Es geht um das Ganze, niemals nur um eine Person. 

Lieber Shifu, ich bedanke mich herzlichst für dieses Gespräch und die mir gewährte Zeit.

Jing Li